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Gehrungsschnitte – so gelingt´s

Wer kennt es nicht, der Fußboden wurde mit neuen Laminat oder Parkett verlegt oder die Decke im Partyraum mit Paneelen verkleidet und nun geht es daran Sockelleisten sauber zu zuschneiden. Gehrungsschnitte sind dabei das Ahh und Ohh. Doch wie gelingt einen das richtig?

Es ist einfacher als gedacht, vorausgesetzt man hat das richtige Werkzeug und beachtet einige Schritte beim Herstellen.

Gehrungsschnitte:


Zuschnitt von Decken-und Bodenleisten

Bodenleisten bilden den Übergang vom Boden zur Wand. Die Leisten werden meist an der Wand befestigt. Damit die Bodenleisten an der Stoßkante zueinander passen, werden sie meist auf Gehrung zugeschnitten. Üblicherweise haben die Ecken einen Winkel von 90°, der Gehrungsschnitt erfolgt deshalb unter einem Winkel von 45°. Typisch ist die Hochkantanordnung der Leisten an der Wand. Die Gehrung kann zwar prinzipiell mittels Gehrungsschnitt erzeugt werden, wegen der vertikalen Stellung der Leisten ergibt sich allerdings eine beschränkte Schnitthöhe. Besser ist die Herstellung der Gehrung mittels Neigungsschnitt. Die Leiste liegt dann waagrecht auf dem Sägetisch, kann einfacher festgespannt werden, die Schnittbreite ist größer und die Schnittqualität ist etwas besser.


Zuschnitt von schrägen Decken- und Bodenleisten 

In Altbauten findet man oft Decken und Bodenleisten, die schräg zum Wand – Decken oder Wand – Boden Übergang angeordnet sind. Bei diesen Fällen ist für die Kantengestaltung ein kombinierter Gehrungs – Neigungsschnitt erforderlich (Doppelgehrung oder Schifterschnitt).

Leistenwinkel Boden & Wand 45°

Schritt 1

Wahl des Leistenwinkels

Basismaß für die exakten Gehrungsschnitte geneigt angebrachter  Decken- und Bodenleisten sind die Leistenwinkel. Die Leistenwinkel definieren den Übergang von der Leiste zur Wand und zur Decke (bzw. zum Boden).

Schritt 2

Messen des Eckenwinkels

Das nächste wichtige Maß ist der Eckenwinkel. Hierbei kann es sich sowohl um einen Innenwinkel als auch um einen Außenwinkel handeln. Ich behaupte immer, dass der „rechte“ Winkel auf dem Bau zwischen 80° und 100° liegt. Man muss deshalb stets damit rechnen dass Eckenwinkel durchaus von 90° abweichen können. Es sollte also in jedem Falle vorher gemessen werden. Neben den „rechten“ Eckenwinkeln kann es auch alle anderen möglichen Eckenwinkel geben, beispielsweise an Einbaumöbeln, Balkonvorsprüngen und dekorativen Wandverkleidungen. Der Zuschnitt von Dekorationsleisten an Möbelstücken entspricht also der selben Vorgehensweise. Das Messen erfolgt vorzugsweise mit einem digitalen Winkelmesser. Dieser liefert die genauesten Werte für die Gehrungsschnitte und vermeidet Ablesefehler. In meinem Beispiel haben ich mich an der Praxis orientiert und einen Eckenwinkel von 92° gewählt.

Schritt 3

Ermitteln des Gehrungswinkels und des Neigungswinkels 

Gehrungsschnitte - Bosch DIY Winkelmesser PAM 220,

Bosch DIY Winkelmesser PAM 220

Um an den Schnittkanten profiltreue Übergänge zu bekommen, müssen die Leisten sowohl auf Gehrung als auch auf Neigung geschnitten werden. Die Ermittlung von Gehrungswinkel und Neigungswinkel erfolgt rechnerisch. Dies ist allerdings mit einem so hohen Aufwand verbunden, dass es bequemer ist, statt dessen eine Tabelle zu benutzen. Im Internet wird man da schnell fündig. Am einfachsten ist es, den professionellen Winkelmesser von Bosch zu benutzen. In seinen Prozessor sind die Gehrungs- und Neigungswinkel eingespeichert. Nach Messen des Eckenwinkels sind die entsprechenden Werte auf Knopfdruck automatisch abrufbar. Für mein Beispiel mit einem gemessenen Eckenwinkel von 92° ergibt sich bei einem Leistenwinkel von 45° / 45° ein Gehrungswinkel von 34,3° und ein Neigungswinkel von 29,4°. Mit der Kenntnis des Gehrungswinkel und des Neigungswinkels können wir nun arbeiten.

Schritt 4

Nach dem Ermitteln des Gehrungswinkels und des Neigungswinkels werden diese beiden Werte mittels der Skalierung des Drehtisches und der Skalierung der Neigungseinstellung jeweils nach links eingestellt und fixiert. Weil von der präzisen Einstellung die Genauigkeit des Übergangs abhängt, muss hier mit großer Sorgfalt vorgegangen werden. Erfahrungsgemäß sind Einstellungen mit der Stelle hinter dem Komma sehr schwierig. Man sollte einfach so genau wie möglich vorgehen, dann aber auf jeden Fall vor dem endgültigen Leistenzuschnitt mit einem Probestück einige Schnittversuche machen um gegebenenfalls noch Korrekturen vornehmen zu können.

Schritt 5 

Man schneidet zuerst eine Leiste zu, in dem man sie von Links und mit der Dekorseite nach oben auf den Sägetisch anlegt und dann kappt. Anschließend macht man dieselben Einstellungen wie im Schritt 4 beschrieben, allerdings mit Gehrung und Neigung nach Rechts. Dann legt man die zweite Leiste von rechts und mit der Dekorseite nach oben auf den Sägetisch und kappt.

TIPP:  Die Einstellung von Gehrungswinkel und Neigung ist wegen der erforderlichen Genauigkeit sehr aufwendig, und jede neue Einstellung erfordert ein paar Kontrollschnitte zur Probe. Man kann sich den Aufwand sparen indem man die Linkseinstellung entsprechend Schritt 4 beibehält und die zweite Leiste wieder von Links anlegt, diesmal aber mit der Dekorseite nach unten!